So viele Beteiligte zählte eine Landesgartenschau wohl noch nie. LGS-Geschäftsführer Florian Herrmann hofft deshalb, dass durch die Schau „Oberhessen langfristig auf der Landkarte in Rhein-Main auftaucht“, wie er es gegenüber der Deutschen Presseagentur formulierte.
Die strukturschwache Region sei ein noch unentdecktes Juwel, so Henrike Strauch (SPD), Bürgermeisterin der Gemeinde Glauburg und Vorsitzende des Vereins Oberhessen, der sich für die Entwicklung der Region einsetze. Strauch betonte, dass die LGS in Hessen 2027 nicht nur ein „Festival für Blumenfreunde“ werden soll, sondern sich auch um die Themen Klimaschutz und nachhaltiger Gartenbau kümmern wolle. Orte sollen aus „Dornröschenschlaf“ geweckt werden und durch die LGS zum „Turbo für die Entwicklung der Region werden“. Alle Projekte seien nachhaltig ausgelegt, um über 2027 hinaus wirken zu können. Die Region erhalte ein Gesicht als touristischer Zielmarkt und attraktiver Wohnstandort in der Metropolregion Frankfurt.
„In wenigen Jahren kann das erreicht werden, für das sonst Jahrzehnte notwendig gewesen wären“, so LGS-Geschäftsführer Herrmann. Das Gelingen hinge aber davon ab, dass die politischen Entscheider in den Kommunen den notwendigen Mut aufbrächten, diese Entwicklungen auch in finanziell schwierigen Zeiten konsequent mitzutragen. Immerhin will das Land Hessen 4,5 Millionen Euro für die Schau zur Verfügung stellen.
Heimat „herausputzen“
Die Vorbereitungen der Gartenschau laufen derzeit bereits auf Hochtouren. Auch in weiten Teilen der Bevölkerung sei eine hohe Bereitschaft zu erkennen, die Heimat für die Besucher „herauszuputzen“. Hermann räumte ein, dass der Planungs- und Koordinierungsaufwand deutlich höher sei als bei einer herkömmlichen Landesgartenschau, die in einer einzigen Stadt stattfinde. Auch ohne zentralen Anlaufpunkt solle den Gästen der Schau ein „funktionierendes Besuchserlebnis“ offeriert werden, in das auch kleine Kommunen und deren Angebote einzubinden seien. Unter dem Stichwort „Entdeckerregion Oberhessen“ ist beispielsweise geplant, Routen anzubieten, die die Besucher zu sehenswerten Orten leiten. Anbieten könnte sich hier etwa eine themenbezogene „Vulkan-Route“.
Entsprechend müssen sich die Besucher der LGS 2027 davon verabschieden, alle Sehenswürdigkeiten mehr oder weniger kompakt an einem Ort präsentiert zu bekommen. Die beteiligten Kommunen liegen zum Teil sogar recht weit auseinander. Um die Besucher von Ort zu Ort zu bringen, wollen die Gartenschaumacher weitest möglich auf bestehende Nahverkehrsangebote mit Bus und Bahn sowie auf die vorhandenen Radwege setzen. Aber auch ein eigener Shuttleverkehr zwischen den Hauptorten oder zu Veranstaltungsspitzen sei denkbar, verriet Herrmann.
Eine kommunale Landesgartenschau hatte es erstmals 2019 in Baden-Württemberg gegeben. Die Herausforderung dabei ist, unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen und zu verhindern, dass sich einzelne Kommunen vielleicht auf Kosten anderer profilieren wollen. Das betont der Gartenschau-Experte Hanspeter Faas, der sich bereits seit Jahrzehnten mit der Planung und Organisation solcher Schauen in Deutschland befasst. Notwendig dafür sei eine gute Kommunikation und der Vorsatz, auch etwas weniger im Blickpunkt stehende Orte „mitzunehmen“. Der Experte rät zu einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm und geeigneten Mobilitätskonzepten, um die teilnehmenden Orte miteinander zu verbinden und den Erlebniswert für die Besucher anzuheben.