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Heinz Strier, Geschäftsführer von Strier ReisenGeschäftsführer von Strier Reisen

Heinz Strier (74) führte von 1973 – 2012 mit seinem Bruder Herbert das Familienunternehmen Strier Reisen in Ibbenbüren im Tecklenburger Land in Nordrhein-Westfalen. Es wurde 1929 von Opa Wilhelm Strier und Vater Heinrich Strier gegründet. 2012 ging das Unternehmen an den Neffen Thomas Strier über. Heinz und Herbert Strier sind jedoch weiterhin als Geschäftsführer im Unternehmen tätig.

Heinz Strier besuchte zunächst die Volksschule, danach die Handelsschule. Es folgten eine Kfz- Lehre sowie zwei Jahre Fahrpraxis auf einem 40 Tonnen LKW. 1963 erwarb er mit 22 Jahren den Busführerschein, sein Bruder tat es ihm gleich und somit war das Dreigestirn bei „Strier Reisen“ komplett: Vater Heinrich und die Söhne Herbert und Heinz. 1973 verstarb Vater Heinrich und die beiden Söhne übernahmen den Betrieb. Der Gruppenreisebereich wurde ausgebaut. 1971 erschien der erste kleine Reisekatalog. 1979 wurde das Reisebüro Strier OHG gegründet, das von Schwester Magdalene Hieke, geb. Strier, geleitet wurde. Seit 2012 führt es ihr Sohn Ralf. 2012, nach 49-jähriger Tätigkeit am Steuer eines Reisebusses, zog sich Heinz Strier aus dem aktiven Geschäft zurück, begleitet jedoch immer wieder und gern Reisen. Einen schweren Schicksalsschlag erlebte Heinz Strier am 18. Juni 2007 am Steuer eines Reisebusses, als auf der A 14 zwischen Dresden und Magdeburg bei Könnern ein Lkw am Stauende in seinen Bus krachte und diesen über die Leitplanke schob. Der Bus stürzte eine Böschung hinunter und blieb auf dem Dach liegen. 13 Insassen starben, über 30 wurden verletzt. Heinz Strier, der angeschnallt am Bussteuer saß, kam mit leichten Verletzungen davon. Aktuell verfügt das Unternehmen „Strier Reisen“ über 10 Reisebusse und einen Daimler-Benz Oldtimer Bus (Bj. 1952). Mit vier Fernbussen ist „Strier Reisen“ für „Meinfernbus“ unterwegs. 24 Mitarbeiter gehören zum Unternehmen. Heinz Strier ist seit 2008 Witwer. Er hat zwei Söhne und zwei Enkelkinder.

Heinz Strier, Geschäftsführer von Strier Reisen

 

Was war Ihr Traumberuf als Kind?

Truckerfahrer in Amerika.

Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?

Freunde sind wichtig. Ich hatte einen guten Schulfreund. Wir haben viel zusammen unternommen, auch die Schularbeiten oft gemeinsam erledigt. Wir haben uns in vielen Fächern ergänzt und geholfen. Nur bei Notenarbeiten musste er sehr schnell sein. Zwei Arbeiten waren zu schreiben. Und wer bekam die bessere Note... ich!

Was war das größte schulische Drama für Sie?

Das Halbjahreszeugnis in der vierten Klasse. Es trug den Zusatz: Versetzung zweifelhaft. Das war ein Warnschuss, aber kein Drama, eher ein Ansporn.

Haben Sie als Schüler gemogelt?

Ja. Aber letztlich zählt im Leben immer die eigene Leistung, die man bringt und da gilt: Ohne Fleiß kein Preis!

Ihr Lieblingsfach in der Schule?

Mathematik, Erdkunde und Religion. Letzteres auch ein wenig als Signal an meine Mutter, die sich sehr wünschte, dass ich vielleicht einmal als Pfarrer auf der Kanzel stehe.

Auf welche außerschulische Leistung sind Sie besonders stolz?

Viel freie Zeit blieb für uns Kinder im Familienunternehmen nicht. Wann immer es ging war ich aber als Kind auf dem Bolzplatz, um Fußball zu spielen.

Wer hat Sie am meisten gefördert?

Meine Eltern: Die haben etwas aufgebaut, wovon wir heute noch profitieren.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Die Nähe zu den Menschen, die mit uns verreisen. Das ist über Jahrzehnte gewachsen.

Was würden Sie als Ihren größten beruflichen Erfolg bezeichnen?

Dass auch ich zum Aufbau des Unternehmens meinen Beitrag leisten konnte - 86 Jahre Strier Reisen.

Ihr erstes Bewerbungsgespräch: Woran erinnern Sie sich noch?

Das erste Bewerbungsgespräch war genau genommen ein Vater- Sohn Gespräch. Es ging um den Beginn meiner Lehre als Kfz-Schlosser.

Wie halten Sie sich fit?

Joggen, Fitnessstudio – bei mir Fehlanzeige. Das hab ich nie gemacht. Ich stehe, auch heute noch, um 6.00 Uhr jeden Morgen auf, bin 7.15 Uhr im Büro, spreche mit meinem Neffen alles ab. Dann geht’s anschließend an die Arbeit und um 18.00 Uhr ist Ende.

Welche Dinge verbinden Sie mit dem Wort Omnibus?

Auf all meinen Reisen stand neben Informationen Singen an erster Stelle. Wer mit uns reist, will den Alltag ein wenig hinter sich lassen. Am schnellsten geht das, wenn man ein Lied anstimmt. Inzwischen habe ich auch eine CD aufgenommen mit Liedern und Gedichten. Der Erlös von zwei Euro geht an die Suppenküche Ibbenbüren und an Menschen mit Behinderung.

Wo haben Sie Ihren letzten Urlaub verbracht?

Ein paar Tage bei meinem Sohn und seiner Familie in Slowenien. Er ist dort für MAN tätig.

Welches sind die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?

Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Wertschätzung gegenüber den Kunden. Die Busreise muss den Reisenden Vergnügen bereiten. Natürlich sind Busreisen unser Geschäft, aber das hat nichts mit Abkassieren zu tun. Das will ich nicht. Ich möchte weiter wie bisher erhobenen Hauptes durch Ibbenbüren gehen.

Was sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?

Zuhören können, kompromissbereit sein und bei den Mitarbeitern Verantwortungsgefühl für das Unternehmen aufzubauen. Ich sage zu meinen Mitarbeitern immer: Wir sitzen alle in einem Boot, Euren Lohn bekommt ihr nicht von der Firma Strier, sondern von den Fahrgästen. Die Logik ist doch so: Wenn wir einen Bus zu viel haben, haben wir auch einen Fahrer zu viel.

Wer ist für Sie ein persönliches Vorbild?

Da bleibe ich in Ibbenbüren. Vorbildlich sind für mich Menschen, die sich uneigennützig im Sozialbereich engagieren. Im Deutschen Roten Kreuz, in der Altenpflege, in der Seniorenbetreuung. Wir unterstützen diese Arbeit auch in jedem Jahr mit zwei Weihnachtskonzerten an einem Tag, zu denen im letzten Jahr 1.450 Besucher kamen. Gunther Emmerlich ist da schon aufgetreten. In diesem Jahr gibt es u.a. Sportakrobatik. Ein Männerchor und eine Musikkapelle sorgen für den guten Ton.

Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?

Die Bürokratie – die scheint kein Ende zu nehmen. Zurzeit vor allem, wenn es um das Thema Mindestlohn geht.

Was macht Ihnen Angst?

Die Ukraine, die Unruhe in der Welt.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Ihren Mitarbeitern am meisten?

Zuverlässigkeit, Kameradschaft, Respekt vor dem Kunden. Nicht gleich alle „Duzen“.

Welche persönliche Freiheit vermissen Sie am meisten?

Ich vermisse nichts. Ich lasse mich von der Hektik nicht mehr anstecken. Das war einmal. Ich kann das Wort Stress zwar schreiben, aber ich weiß nicht,was das ist.

Wem möchten Sie gerne mal die Meinung sagen?

Die Meinung sagen – bringt das was? Ich glaube nicht, dass das was bringen würde. Schauen Sie sich doch die Talkshows an, da sagt jeder dem anderen die Meinung, aber was nützt es?

Ihre größte Tugend?

Mensch bleiben.

Ihr größtes Laster?

Gründlichkeit

Ihr Lieblingsfilm?

Ich bin kein Kinogänger.

Ihr Lieblingsbuch?

Die Kinderbücher, die ich gerade meinen beiden Enkelinnen vorlese, und außerdem Fachzeitschriften aller Art.

Ihr Lieblingslied von den Beatles?

Ich mag die Lieder schon, aber sie reißen mich nicht unbedingt vom Hocker. Ich liebe Shantys.

Welches Ziel möchten Sie unbedingt noch erreichen?

Die Geburtstagsreise 2016, mit der meine Lebenspartnerin Karin und ich unser gemeinsames Alter feiern wollen. Wir werden dann zusammen 150 Jahre alt. Wir werden von ihrem Damenchor und meinem Shanty-Chor verabschiedet und starten dann mit unseren Familien und Freunden mit zwei Bussen zu einer Fahrt nach „Irgendwo“.

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