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Geschäftsführer der Linearis-Beratungs GmbH in Essen und Berlin

Wolfgang Meyer ist ein aktiver Zeitgenosse. Stillstand ist für ihn ein Fremdwort. Er strahlt eine unglaubliche Energie aus und ist voller Tatendrang. Langeweile kennt er nicht. „Ich habe ein Gen zu viel und das heißt Optimismus“, beschreibt er sich selbst. Er lässt sich durch Rückschläge im Leben nicht aus der Ruhe bringen. Das erklärt vielleicht seinen erstaunlichen Werdegang: „Ich bin eigentlich ein „Muschelschubser“ (Küstenbewohner), sagt er scherzhaft. Geboren und aufgewachsen ist der erfolgreiche Manager in Delmenhorst bei Bremen, lebt aber seit vielen Jahren in Essen. Von hier aus betreibt er sein seit 2009 gegründetes Beratungsunternehmen Linearis, eine international agierende Firma für Personal, Strategie und Organisation.

Sein Steckenpferd ist die strategische Ausrichtung des deutschen ÖPNV-Systems. Das beinhaltet Themen wie Markteintritt im Zusammenhang mit Wettbewerb, Transparenz und der entsprechenden politischen Verantwortung. Personalbeschaffung gehört auch zu den Schlüsselaufgaben, dabei konzentriert er sich nicht auf die Suche nach Fahrpersonal, sondern Betriebsleiter, Werkstattleiter oder Geschäftsführer. Zudem berät Wolfgang Meyer Unternehmen, die ihr Geschäft verkaufen wollen. Aber auch auf der Käuferseite wird beraten und begleitet, genauso wie beim organisatorischen Aufbau und bei der Etablierung eines Unternehmens. „Ich bin sozusagen Geburtshelfer“, erklärt Meyer. Das Geschäft laufe sehr gut, doch nichtdestotrotz „wir wollen überschaubar bleiben, wir wollen kein Warenhaus werden, sondern eine Boutique bleiben – ein Spezialist für die Branche Mobilität und Logistik.“
Der Mobilitätsexperte Meyer war einst Gewerkschaftssekretär, er hat unter anderem als Vorstand die Essener Verkehrs-AG (EVAG) restrukturiert, die Firma Abellio gegründet, die er in fünf Jahren zu 100 Mio. Umsatz mit 1.200 Mitarbeitern, 900 Bussen und 40 Zügen führte. Nicht zu vergessen die britische Firma National Express, die er seit 2011 intensiv begleitet und den Markteintritt im Schienenverkehr in Deutschland ermöglicht hat. Eines seiner aktuellen Projekte im Busbereich ist die Marktentwicklung des mittelständischen Busunternehmens MET.

Wolfgang Meyer, Geschäftsführer der Linearis-Beratungs GmbH

 

Was war Ihr Traumberuf als Kind?

Astronaut. Wenn ich könnte, würde ich gleich losfliegen. Das Universum fasziniert mich immer noch. Wenn wir im Urlaub sind zum Beispiel, dann ist fast jeden Abend Sternegucken angesagt.

Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?

Aufzupassen und aufmerksam zu sein. Denn wenn man nicht aufpasst, wird man von den Strukturen und vielen Leuten „veräppelt“. Viele sind nicht die, die sie vorgeben zu sein. Man wird ausgenutzt und es geht „ungerecht“ zu. „Wolfgang ist ein wenig vorlaut, er bemüht sich, sich zurückzuhalten“, stand in meinem ersten Schulzeugnis. Meine damalige Lehrerin würde heute sagen: „Das ist ihm nicht gelungen.“

Was war das größte schulische Drama für Sie?

Als einziger von vier Abschlussklassen sitzen zu bleiben.

Haben Sie als Schüler gemogelt?

Wenn die Chance bestand zu mogeln, dann habe ich das gemacht.

Ihr Lieblingsfach in der Schule?

Rechtskunde, das Thema Gerechtigkeit. Das spiegelt sich auch in meinem Lebenslauf wider. Ich habe in meinem Leben viel zu tun gehabt mit solchen Situationen. Ich kann es nicht leiden, wenn es ungerecht zugeht. Ich kann dann meinen Mund nicht halten. Dann merkt man, was passiert, wenn man sich gegen die Mehrheit stellt.

Auf welche außerschulische Leistung sind Sie besonders stolz?

Vier Kinder zu haben. Ich wollte immer schon Vater werden und eine große Familie haben.

Wer hat Sie am meisten gefördert?

Eigentlich mehrere Menschen und mein Umfeld. Ich habe immer Menschen getroffen oder um mich gehabt, die an mich geglaubt und mir geholfen haben – und zwar bedingungslos. Das passiert nicht jedem. Insofern, war das ein großes Glück.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Dass ich was bewegen kann, nicht nur Busse und Bahnen. Ich habe viele Dinge angeschoben, auch gegen Widerstände. Ich bin zum Beispiel „mitverantwortlich“ an dem BGH-Urteil , das faktisch den  Markt im Eisenbahnbereich geöffnet hat, das sogenannte Abellio-Urteil. Der Bundesgerichtshof fällte damals ein wegweisendes Urteil zum Vergaberecht im Schienenpersonennahverkehr (SPNV), demzufolge die direkte Vergabe einer Dienstleistung an einen Auftragnehmer unzulässig ist.

Was würden Sie als Ihren größten beruflichen Erfolg bezeichnen?

Das Unternehmen Abellio etabliert zu haben. Heute hat Abellio ca. 16.000 Mitarbeiter. Den Namen Abellio habe ich geholfen zu „entwickeln. „Abellio“ gilt als der Patron der Apfelbauer oder aber als der Beiname des Sonnengottes Apollo. In erster Linie ist er aber kurz und klangvoll sowie international aussprechbar… und steht im Alphatbet immer ganz weit oben.

Ihr erstes Bewerbungsgespräch: Woran erinnern Sie sich noch?

Ich kann mich noch sehr gut an ein Mitglied der Kommission erinnern, der mich danach fragte, wer der niedersächsische Ministerpräsident sei. Ich konnte nicht sofort antworteten. Anschließend folgte die Frage: „Lesen Sie die Zeitung?“ Meine Antwort: „Ja.“ Er daraufhin: „Von vorne oder von hinten.“

Wie halten Sie sich fit?

Ich fahre sehr viel Fahrrad. Das ist ein guter Ausgleich.

Welche Dinge verbinden Sie mit dem Wort Omnibus?

Mobilität für „Jedermann“ und Freiheit.

Wo haben Sie Ihren letzten Urlaub verbracht?

In Italien. Unser Feriendomizil in Italien steht auf einem Hügel. Ich habe viel in die Ferne geschaut, ein paar Bäume gefällt und meinem Sohn gezeigt, wie man eine Axt benutzt. Einfach Kraft tanken und Ruhe…

Welches sind die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?

Vertrauen, Ehrlichkeit und Miteinander

Was sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?

Vertrauen, Ehrlichkeit und Miteinander

Wer ist für Sie ein persönliches Vorbild?

Helmut Schmidt. Es gibt Menschen, die sind raumfüllend und respekteinflößend. Ich finde, genauso einer war er. Ein sehr intelligenter Mensch, der mit der notwendigen Ruhe und Kraft ausgestattet war, um strategisch ein Volk zu führen. Das alles hat er mit Sinn und Verstand gemacht und ist nicht jedem Populismus hinterher gelaufen, wie es heutzutage in der Politik der Fall ist.

Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?

Wenn man denkt, man hat sich zu viel aufgeladen und die Qualität leidet darunter.

Was macht Ihnen Angst?

Die gegenwärtige weltpolitische Lage.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Ihren Mitarbeitern am meisten?

Begeisterung und Teamgeist sowie Spaß an der Sache.

Welche persönliche Freiheit vermissen Sie am meisten?

Zeit zu haben und nicht immer die Verantwortung für etwas im Hinterkopf zu haben.

Wem möchten Sie gerne mal die Meinung sagen?

Im Moment den Herrschaften der AFD und Donald Trump.

Ihre größte Tugend?

Das sollen andere beurteilen. Darüber mache ich mir keine Gedanken.

Ihr größtes Laster?

Das möchte ich nicht verraten.

Ihr Lieblingsfilm?

Ziemlich beste Freunde.

Ihr Lieblingsbuch?

Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Diese Bücher fand ich als Kind total spannend.

Ihr Lieblingslied von den Beatles?

Penny Lane. Das habe ich sogar immer noch als Schallplatte zuhause.

Welches Ziel möchten Sie unbedingt noch erreichen?

Gesund alt werden. Ich habe in meinem Leben mehr erreicht und mehr Glück gehabt, als ich jemals geglaubt habe.

(Notiert von Askin Bulut)

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