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Geschäftsführer und Inhaber des Busreiseveranstalters Avanti Reisen

In der Ortenau (Schwarzwald) aufgewachsen, wurde aus dem „Schwarzwälder Bub“ Hans-Peter Christoph (58), Inhaber und Geschäftsführer des Busunternehmens Avanti Reisen aus Freiburg im Breisgau, recht bald ein Weltenbummler. Als 20-Jähriger bereiste er auf eigene Faust erstmals 1978 die Türkei in Fernbussen. Auf dieser Fahrt packte ihn das Reisefieber und ließ ihn nie wieder los. Er wollte die Welt kennenlernen. Sein Studium der Islamwissenschaften hängte er nach ein paar Semestern an den Nagel. Stattdessen reiste er, zunächst als Lkw-Fahrer und später als Busfahrer, quer durch Europa und den Nahen Osten und machte gleichzeitig eine Ausbildung zum Koch, um etwas „Anständiges“ zu lernen. Doch wie weiter?

Hans-Peter Christoph, er war inzwischen 30 Jahre alt, überlegte, wie er Erlebtes und Erlerntes in eine berufliche Bahn mit Perspektive lenken könnte. So kam er auf die Idee, eigene Konzepte und Programme für Busreisen zu entwickeln. Er wollte vieles anders machen, als die Busunternehmen, für die er jahrelang selbst gefahren war. Gesagt getan. „Ich will lieber zwei, drei Tage an einem Ort bleiben und der Gruppe die Gelegenheit geben, am Leben der Stadt oder eines Ortes teilzuhaben und dann weiterreisen, als in möglichst kurzer Zeit alle Sehenswürdigkeiten abzuhaken“, so seine Vorstellung. 1991 setzte er seine Idee in die Tat um – mit Städtereisen und Reisen nach Griechenland und Andalusien. Nationale und sogar internationale Bekanntheit erlangte Avanti durch seine Transkontinentalreisen: 2008 ging es von Deutschland nach China. Eine zweite Reise nach China folgte 2010. Im Jahr 2013 ging Hans-Peter Christoph mit einem knallroten Setra-Reisebus auf Weltreise und legte 52.000 Kilometer in neun Monaten zurück.

Hans-Peter Christoph, Geschäftsführer und Inhaber von Avanti Reisen

 

Was war Ihr Traumberuf als Kind?

Seemann, Abenteurer, Schatzsucher, Schriftsteller.

Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?

Dass sich manche Dinge von selbst erledigen, wenn man die Fähigkeit besitzt, geduldig abwarten zu können.

Was war das größte schulische Drama für Sie?

In der Pubertät habe ich mich komplett aus dem Schulleben zurückgezogen und bin sitzen geblieben. Das Drama war, dass ich deshalb erst ein Jahr später mein Abitur machen konnte. Dabei wollte ich nichts wie weg von der Schule und frei sein.

Haben Sie als Schüler gemogelt?

Ja klar, bei Klassenarbeiten habe ich die Ergebnisse mit meinen Banknachbarn verglichen, so gut das ging.

Ihr Lieblingsfach in der Schule?

Deutsch. Geschichte lag mir auch.

Auf welche außerschulische Leistung sind Sie besonders stolz?

Ich konnte mit 12 schon Motorrad und Auto fahren.

Wer hat Sie am meisten gefördert?

Meine Eltern und Geschwister. Außerdem hatte ich immer gute Freunde.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Dass ich mein eigener Herr bin und völlig frei in der Gestaltung dessen, was und wie ich etwas tue.

Was würden Sie als Ihren größten beruflichen Erfolg bezeichnen?

Die erste Busreise in den Iran 2005. Dass wir es so gut hinbekommen haben, relativ lange in einer Gruppe harmonisch zu verreisen und alle Herausforderungen zu meistern, war eine großartige Erfahrung und die Grundlage für die folgenden Touren nach Libyen, den Nahen Osten, nach China bis hin zur neunmonatigen Weltumrundung mit dem Reisebus. Wenn ich eine Reise planen kann und selbst bestimme, wie und wo es langgeht, habe ich vor nichts mehr Bammel.

Ihr erstes Bewerbungsgespräch: Woran erinnern Sie sich noch?

Ich hatte als Gymnasiast diverse Jobs auf dem Bau, bei der Post, als Fahrer, an die ich über Empfehlungen kam. Wie mein erstes richtiges Bewerbungsgespräch ablief, weiß ich nicht mehr, aber ich hatte mit 22 Jahren den ersehnten Job als Fernfahrer und durfte mit dem 38-Tonner gleich alleine nach Spanien fahren.

Wie halten Sie sich fit?

Ich versuche, täglich eine Stunde zu laufen, egal wo ich bin.

Welche Dinge verbinden Sie mit dem Wort Omnibus?

Als Lateinschüler bekam ich bereits früh mit, dass Omnibus „für alle“ oder „mit allen“ bedeutet. Mein erstes Auto war ein VW-Bus, weil ich immer mit all meinen Freunden zusammen unterwegs sein wollte.

Wo haben Sie Ihren letzten Urlaub verbracht?

In Katalonien beim Wandern.

Welches sind die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?

Gute, kritisch mitdenkende Mitarbeiter, Freunde, die einem auch mal ihre Meinung sagen und eine Portion Glück. Man muss wissen, was man will. Das herauszufinden, ist nicht immer einfach.

Was sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?

Würde, Respekt und Offenheit im Umgang miteinander vielleicht.

Wer ist für Sie ein persönliches Vorbild?

Ich bewundere viele Menschen dafür, wie sie ihr Leben gestalten, aber ich habe kein spezielles Vorbild.

Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?

Bei Dingen, die ich nicht beeinflussen kann. Es schmerzt, wenn man den Entscheidungen der Politik hilflos ausgeliefert ist. Ein Beispiel ist die riesige Wettbewerbsverzerrung zuungunsten des Busses, dem klimafreundlichsten Verkehrsmittel. Sie zeigt sich darin, dass Flugbenzin immer noch steuerbefreit ist und dass sogar eine Busmaut gefordert wird. Hinzu kommt die 12-Tage-Regelung. Sie beeinträchtigt die freie Gestaltung von Reisen in unsinniger Weise. Sie behindert den Busfahrer mehr als dass sie ihm nützen würde. Sie ist auch nicht sicherheitsrelevant.

Was macht Ihnen Angst?

Der aktuelle Rechtsruck in Europa. Menschen, die Angst vor dem Fremden haben und so wenig Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, dass sie mit Panik, Neid, Wut, Missgunst, Ausgrenzung und Abschottung reagieren. Dass man nicht einmal davor zurückschreckt, auf Menschen auf der Flucht, sogar kleine Kinder, zu schießen und Andersgläubige ausweisen will, das macht mir Angst. Wer zu solchem Hass fähig ist, ist ein seelischer Krüppel. Solche Menschen haben nie die wunderbare Erfahrung gemacht, was es heißt, angenommen zu sein, wie viel Gutes Menschen einander geben können, wie viel Glück im Miteinander liegt. Sie vermuten immer nur das Schlechte, dabei kann die Welt so schön sein.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Ihren Mitarbeitern am meisten?

Loyalität, Identifikation mit dem Unternehmen und großen Einsatz.

Welche persönliche Freiheit vermissen Sie am meisten?

Ich würde gerne mal ein halbes Jahr komplett aussteigen und ein paar Ideen weiterentwickeln.

Wem möchten Sie gerne mal die Meinung sagen?

Ich sage meine Meinung; gelegentlich auch unseren Land- und Bundestagsabgeordneten.

Ihre größte Tugend?

Wenn nötig, bin ich sehr diszipliniert.

Ihr größtes Laster?

Manche Laster sind doch sehr schön, wenn man das richtige Maß findet, nicht wahr?

Ihr Lieblingsfilm?

Ich habe keinen Fernseher und gehe ganz selten ins Kino.

Ihr Lieblingsbuch?

Alexis Sorbas von Nikos Kazantzakis.

Ihr Lieblingslied von den Beatles?

Als Kind mochte ich die Beatles, mein Lieblingslied war: „The Story of Bungalow Bill“. Heute höre ich fast nur türkische, griechische, arabische, kurdische, spanische, portugiesische Musik oder Musik aus Lateinamerika. Musik der Länder, in denen ich oft und gerne unterwegs bin.

Welches Ziel möchten Sie unbedingt noch erreichen?

Unbedingt möchte ich gar nichts, in Würde altern zu können,  fände ich schön.

(Notiert von Askin Bulut)

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