Verlag
Abonnement

Helene Fischer stand zwar nicht auf der Bühne, doch ansonsten hatte die Show zur Präsentation der neuen Tourismo-Baureihe von Mercedes-Benz Ende Juni in Brüssel alle Attribute atemloser Bühnenevents: große Töne, viel Licht, viel Nebel. Nur die meterhohen Flammwerfer fehlten. Ich bin sicher, beides, Frau Fischer und die Flammwerfer, werden wir auch noch erleben. Im Bühnenlicht erstrahlte der neue Tourismo. Im Bühnennebel ging das bisherige Flaggschiff der Reisebusse mit dem Stern, der Travego, unter.

Er ist ein Auslaufmodell und wird vom Markt verschwinden, peu a peu. Kein Wort dazu von der großen Bühne. Mercedes-Benz vertraute bei der Schließung dieser Informationslücke voll und ganz auf den Spürsinn der angereisten Journalisten.

 

Auslaufmodell Travego

Geschuldet sei diese Entscheidung, den Travego zu streichen, vor allem den neuen strengen Vorgaben zur Aufbaufestigkeit nach der UN ECE R 66/02, so Mercedes-Benz auf meine Nachfrage. Der Travego erfüllt diese Vorschriften für die erhöhte Überrollfestigkeit nicht und müsste entsprechend neu aufgesetzt werden. Entwicklungskosten, die der Hersteller scheut. Die Alternative: Der neue Tourismo. In ihm seien viele Komponenten des Travego integriert. Er ist als Basisversion zu haben und auf Wunsch auch in fast allen Details aufrüstbar bis zum aktuellen Travego. Dieses Jahr ist der Travego noch erhältlich, aber nächstes Jahr wird er in Westeuropa nicht mehr vertrieben. Gebaut wird er in der Türkei trotzdem weiterhin, allerdings nur als Superhochdecker (SHD). Axel Stokinger zufolge, Geschäftsleiter Vertriebsorganisation Deutschland, Evobus, verkaufe sich der Travego in der Türkei und auch im arabischen Raum sehr gut. Dort greifen ja die europäischen Überrollbestimmungen nicht. Deshalb werde man den Reisehochdecker solange weiterbauen, wie in dieser Region die Nachfrage da ist.

Mercedes-Benz habe seine Kunden rechtzeitig über den Strategiewechsel informiert, erklärten mehrere Busunternehmer mir gegenüber. Das Streichen eines Produkts ist nicht unproblematisch. Busunternehmer planen ihre Fuhrparks. Mancher hat sich ganz bewusst für den Travego entschieden, um gegen den Wettbewerber von nebenan die Qualitätskarte zu spielen. Das Gespenst des Markenwechsels fürchtet der Hersteller wie das Kaninchen die Schlange. Busunternehmer fragen sich, fällt nun der Wert der gebrauchten Travegos? Möglich auch: Wird nun der Setra SHD (Top-Class) das alleinige Flaggschiff des Konzerns? Nur, all diese Fragen verschwinden nicht, wenn man bei der Präsentation des Neuen vor der Presse das Verschwinden des Alten einfach verschweigt. (Alles zum neuen Tourismo auf Seit X dieser Ausgabe).

 

Wolfgang Steinbrück nennt seine Finanziers nicht

Wolfgang Steinbrück, BDO-Präsident, Busunternehmer aus Gotha und stärkster Mitgesellschafter der Regionalen Verkehrsgemeinschaf (RVG) Gotha, und eben diese RVG Gotha haben sich zerstritten wie die Familie Kohl bei der Verwaltung des Erbe des Altkanzlers: Einigung nicht in Sicht, gekämpft wird mit allen Mitteln. Steinbrück will Geld von der RVG, das die ihm nicht geben will. Die RVG will Steinbrück rausdrängen und ihm Linien entziehen, was der nicht will und für sein Position auch Unterstützung von Gothas Bürgermeister Kreuch erhielt.. Aktuell geht es um die Insolvenz der RVG. Die offenbar beantragt wurde, damit die RVG Geld an Steinbrück nicht zahlen muss. Es sei eine vorgetäuschte Insolvenz gewesen, argumentiert das Lager Steinbrück, da die RVG vom Land hätte Mittel abrufen können, die die Insolvenz gegenstandslos gemacht hätten, aber dies eben nicht tat. Insolvenzverwalter ist Rolf Rombach. Laut Steinbrück habe Rombach auf einer RVG-Gläubigerversammlung die Forderungen von Steinbrück anerkannt. Die Fördermittel vom Land in Höhe von fast 1,5 Millionen Euro sind inzwischen abgerufen und befinden sich auf dem Konto der RVG.

 

Rombachs Pressefreiheit

Nun werden in dieser Schlammschlacht neue Kriegsschauplätze aufgemacht. So sollen von Trittbrettfahrern 500 Euro Kopfgeld in Aussicht gestellt worden seien, für die Anwerbung von Fahrern aus den Diensten Steinbrücks. Insolvenzverwalter Rombach leistet dabei Schützenhilfe. Am 1. Juni hatte er ganz allgemein Busfahrer ins Hotel „Der Lindenhof“ eingeladen. Er wolle die Busfahrer über den Stand der Dinge informieren, hieß es im Einladungsschreiben, das unserer Redaktion vorliegt. Zitat Rombach aus dem Schreiben: „Das wird eine geschlossene Veranstaltung – meint: auch die Medienmädchen und –burschen bleiben deshalb (dr)außen vor.“ Medienmädchen und –burschen? Wer in diesem  Ton über Journalisten schreibt, scheint von Pressefreiheit nichts zu halten und möchte sie wohl am liebste abschaffen. Oder will er gar das Verfahren hinziehen? 168.000 wurden bei der Eröffnung des Insolvenzverfahrens für den Rechtsburschen Rombach in Aussicht gestellt. Am 19. Juni redete man bereits von 600.000 Euro.  Wolfgang Steinbrück hat seit Dezember 2016 kein Geld mehr von der RVG für erbrachte Leistungen erhalten. Hält er das durch? Wolfgang Steinbrück sagt ja. Er habe finanzielle Unterstützer, die wie er davon überzeugt sind, auf dem richtigen Weg zu sein. Die Namen dieser Finanziers wolle er nicht nennen. Auch da fühlt man sich irgendwie an Kohl erinnert.

 

Unser Newsletter




catchme refresh

Joomla Extensions powered by Joobi
Zum Seitenanfang
Probeexemplar anfordern